Liverpool FC - Anfield

Veröffentlicht am 17. Jänner 2025 um 18:01

Ein Spiel im Anfield Stadium mit dem FC Liverpool zu erleben. Für viele Fussballfans ein Traum.

Oftmals scheitert dieser Traum recht früh, wenn es darum geht sich ein Ticket für dieses Stadion zu ergattern. Ende 2024 dann die Erkenntnis, dass der FC Liverpool im FA Cup gegen Accrington Stanley spielen sollte. Ein Gegner, der wohl nicht jedermann bekannt ist und entsprechend weniger lukrativ sein könnte als irgend ein Premier League Spiel. Doch weit gefehlt. Auch der 19. in der vierthöchsten englischen Liga zieht immer noch genügend Leute an, so dass die Tickets für Aussenstehende verlost werden. Eine Verlosung, bei der wohl die Erfolgsquote sehr tief sein dürfte. 
Alternativ haben wir andere Angebote im Internet gesucht. Schnell hatten wir die Erkenntnis, dass alles eine Frage des Preises ist. Liverpool gegen die United aus Manchester im vierstelligen Bereich, wieso nicht, wenn es einem Wert ist? Das besagte FA Cup Spiel gegen Accrington hatten wir auf einer Reiseplattform gefunden zum Preis von knapp vierhundert Franken. Nebst dem Ticket waren zwei Übernachtungen im Vier-Sterne-Hotel im Zentrum von Liverpool, sowie drei Stunden vor dem Spiel bis eine Stunde nach dem Spiel Speis und Trank (Ausnahme Alkohol) inbegriffen. Für uns ein faires Angebot, welches wir dann angenommen haben. Zumal die Swiss zur Zeit recht billig nach Manchester fliegt. 

Am Freitag nach der Arbeit nach Zürich und dann in knapp zwei Stunden nach Manchester fliegen. Das war der Plan. Die Wetterprognosen in England waren an diesem Wochenende nicht wirklich der Bringer. Weit unter dem Gefrierpunkt soll das Thermometer liegen. Eine Seltenheit, ich mag mich nicht erinnern, mal in England eine solche Kälte erlebt zu haben, sonst haben wir im Winter immer höhere Temperaturen als in der Schweiz und Schnee soll es da auch sehr selten geben. Bis 15 Minuten vor dem Boarding lief alles nach Plan. Dann auf einmal die Meldung, dass der Flug annulliert sei. Über die App vom Swiss hatten wir schnell eine Alternative und wurden von einem Bot umgebucht. Eine Stunde später soll es nach Brüssel gehen und von dort mit Brussels Airlines nach Manchester. Ein voller Flieger und Kindergeschrei sorgten nicht gerade für Jubelstimmung. Immerhin gab es nun die Gelegenheit in Brüssel ein Zwischenbier zu genehmigen. In den letzten sieben Monaten war ich das dritte Mal an diesem Flughafen. Der Anschlussflug mit der belgischen Airline war dann alles andere als ausgebucht, so hatten wir schön Platz im rot bemalten Flugzeug. Dieses Flugzeug transportiert normalerweise die Belgische Fussballnationalmannschaft an ihre Spiele. So waren auch alle Gepäckablagen mit Spielern der Belgischen Nationalelf bemalt. 

Auf halber Strecke die Durchsage des Piloten, dass alle Passagiere ihr Handy ganz ausstellen sollten. Der Flugmodus reiche nicht. Durch das schlechte Wetter in England sei eine Landung für den Piloten ein Ding der Unmöglichkeit. Der Autopilot müsse die Landung übernehmen und dieser könne keine Störung durch Handystrahlen leiden. Immer mal wieder was Neues. 

In Manchester schnell die Erkenntnis, dass der Flughafen praktisch leer ist und auf den Pisten riesige Schneemaden liegen. Wir haben es geschafft hier anzukommen dank den Belgischen Red Devils. Im Nachgang konnte man überall von annullierten Flügen aus dem deutschsprachigen Raum in Richtung Nordengland lesen, da hatten wir Glück und dem Spiel stand nichts mehr im Wege. Höchstens eine Erfrierung. Noch nie hatte ich eine solche Schweinskälte auf der Insel erlebt. 

Nach dem stündigen Bustransfer nach Liverpool kamen wir etwa vier Stunden zu spät im Hotel an. Eine Anzeige ans BAZL ist raus. Mal schauen, was wir da erstattet kriegen.

Für Marion war es das erste Mal Liverpool. Ich war da schon mal mit einem Spiel von Everton im Goodison Park.

Da das Spiel bereits um 12.15 Uhr angepfiffen wurde und wir drei Stunden vorher bereits im Stadion drinnen uns vollfressen konnten, ging es am Morgen früh aus dem Hotel. Vorher noch ein Besuch im Fanshop, auffallend natürlich dass da alles riesig ist. Jedoch kostet ein Clubtrikot hier einiges weniger als in der Schweiz, das hätte ich nicht erwartet. Nach einem Spaziergang rund um das Stadion haben wir uns in der Wärme niedergelassen und konnten am Buffet dies und jenes zum Essen abholen. Daneben sollte auch das eine oder andere Bier nicht fehlen. 

Frühzeitig begaben wir uns auf die Tribüne. Unsere Plätze waren im Oberrang der Gegentribüne auf Höhe der Strafraumgrenze. Sehr gute Plätze wie ich fand. Später sollte sich auch das Spiel meist unter uns abhalten. Liverpool wollte jedoch irgendwie nicht und Accrington konnte schlicht nicht gross was für das Spiel beitragen. Sobald die Einheimischen mal bisschen Platz hatten, nutzten sie dies gekonnt aus und kamen quasi mit angezogener Handbremse zu einem ungefährdeten Heimsieg. Dass sich das Spielgeschehen auch in der zweiten Halbzeit unter uns abhielt, zeigte, dass sich Accrington in der zweiten Halbzeit bisschen offensiver getraute, jedoch meist an der Abwehr festrannte. Eindrücklich sicherlich mal live dabei gewesen zu sein, wenn der Grossteil der 60'000 Zuschauer You'll never walk alone anstimmte. Stimmungstechnisch sicher das Highlight vom Spiel. Wobei der grosse Gästepöbel hinter dem Tor laut werden konnte, sobald ihre Mannschaft in die Nähe vom Strafraum kam.  Die vier Tore von Liverpool waren allesamt sehr schön rausgespielt. Hervorzuheben gilt das 2:0 durch Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold. Was für ein Schuss vom rechten Strafraumrand ins weite linke Eck. Weltklasse.

Nach dem Spiel verschoben wir uns wieder in Richtung Innenstadt. Bier, Pub und noch später ein feines Stück Fleisch. 

Am Sonntag liessen wir das geplante zweite Spiel zwischen der U21 von Liverpool und West Ham sausen. Wäre irgendwie zu stressig geworden mit der Rückreise. So konnten wir bei schönem Wetter die Stadt anschauen und das eine oder andere Bier geniessen, während auf dem Handy der Schweizer Doppelsieg im Riesenslalom von Adelboden lief. Gerne hätten wir unseren Bildschirm mit ein paar Fanboys oder Fangirls von Manuel Feller geteilt. Leider waren keine anzutreffen. 

Mit einiger Verspätung endete dann unsere Reise. Vier Stunden später sollte der Wecker wieder klingeln. Müde, aber zufrieden zurück im Arbeitsalltag. 

 

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