Spanien - Schweiz

Veröffentlicht am 29. Dezember 2024 um 17:19

Vielleicht nach Teneriffa, eine Woche Sandstrand?

Eine Frage, die ich schon hunderte Male gehört habe, doch noch nie hat es so Sinn gemacht, wie diesen Herbst. Zwar nicht im Zusammenhang mit dem FCSG, doch die Schweizer Nationalmannschaft wird im November auf dieser Insel ihr letztes Nations League Spiel gegen Spanien bestreiten. Die letzten Wochen und Monaten waren bei mir definitiv davon geprägt irgendwo durch Europa zu reisen. Ich war wohl noch nie so oft und so lange wie im 2024 mit dem Flugzeug unterwegs. Irgendwann kam die Motivation, mir auch diesen Gingg noch anzutun. Fussballtechnisch wohl ein einmaliges Erlebnis nach Teneriffa zu kommen. Die Flüge waren ziemlich billig mit einem kurzen Zwischenstopp in Madrid. Doch wo liegt dieses Teneriffa eigentlich? Dass es zu Spanien gehört, ist den meisten bekannt und dieses Spanien ist ja eigentlich nicht so weit von der Schweiz entfernt. Doch Teneriffa ist die grösste der sieben Kanarischen Inseln und auf der Weltkarte betrachtet eigentlich gar nicht in der Nähe von Spanien. Da sind die Länder Marokko und Westsahara mit einer Entfernung von einigen hundert Kilometern wesentlich näher als das spanische Festland. Streng genommen gehört Teneriffa zu Afrika. Für mich heisst das, dass ich seit August nun auch noch auf einem dritten Kontinent ein UEFA Spiel anschauen darf. 

Teneriffa hat zwei Flughäfen. Einen im Norden für eher die nationalen Flüge und im Süden der modernere für die internationalen Flüge. Dank des Zwischenstopp in Madrid und der Fluggesellschaft Iberia landeten wir im Norden, quasi in der Umgebung der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife. Das Spiel sollte dann auch in dieser Stadt stattfinden. Michel konnte sich ein preiswertes Appartement in kurzer Distanz zum Stadion unter die Nägel reissen. Mit dieser Aktion kommen wir bei der einheimischen Bevölkerung sehr schlecht an. Den Einheimischen fehlen die bezahlbaren Wohnungen und wir Touristen mieten uns für ein paar Tage sehr billig quasi ihren Lebensraum weg. Im Hafen von Santa Cruz liegt da zum Beispiel eine lahmgelegte Bohrinsel, auf der dutzende Wohnungen ein wenig die Wohnungsnot mildern versuchen. 

Auffallend auf dieser Ferieninsel ist, dass wir in Santa Cruz nur sehr wenige Leute finden, welche Englisch sprechen. Die Verständigung ist sehr verschieden. Mit dem Taxichauffeur wird Französisch gesprochen. Mit den Bedienungen im Restaurant alles mögliche. Ein paar Brocken Deutsch mit Englisch und Italienisch, aber zum Bier und Essen bestellen sind wir noch immer irgendwie über die Runden gekommen. 

Am Vortag vom Länderspiel haben wir per Mietauto ein wenig die Insel angeguckt. Der Pico del Teide ist nicht nur der höchste Punkt auf Teneriffa, sondern er zählt mit seinen 3718 Meter über Meer zum höchsten Punkt von ganz Spanien und ist zugleich der höchste Vulkan in ganz Europa. Zur Mittagszeit stand im Süden ein Ligaspiel der fünfthöchsten Spanischen Liga auf dem Programm. In der nur von Kanarischen Teams zusammengestellten Liga traf CD Marino auf UD Ibarra. Ein Duell zwischen Fischerdörfern, wobei das Geschehen auf dem Platz weniger hochstehend war. So waren die Momente in der Wärme Fussball zu gucken und dabei ein 7,5dl Bier im Offenausschank für 5 Euro zu geniessen das Angenehme. Auf einmal wurden wir im breitesten Groschlidialekt angesprochen, dass wir doch normales Deutsch sprechen sollen, damit sie auch was verstehen würden. Manuel Feller sollte fast gleichzeitig im finnischen Levi einen Nuller einkassieren, dies haben wir denen natürlich dann gerne in schönem Hochdeutsch mitgeteilt. Von Oktober bis März an der Wärme sitzen und das Leben geniessen, dies ist das Motto der Österreicher Gruppe. Kein Wunder, wenn man bei der ÖBB mit 53 Jahren pensioniert wird, da sind die Schweizer wohl nicht nur auf der Skipiste die Tüchtigeren. 

Bis zum Länderspiel am Montagabend verbrachten wir die Zeit mehrheitlich mit Wärme geniessen. Gespannt waren wir auf die Einlassphase am Stadion. Erfahrungsgemäss drehen die Sicherheitskräfte in Spanien ein wenig gar am Rad, doch ganz zum Erstaunen wurde nur das Ticket abgescannt. Eine Einlassphase wie wir sie aus der Schweiz gewöhnt sind. Klar standen etliche Sicherheitsleute im Sektor, doch diese waren mehr zur Zier da. Viel mehr nervte es, dass der Gästesektor mit Einheimischen gefüllt wurde.  Diese wollten dann zum Teil genau auf den Plätzen sitzen, welche mit dem Ticket standen oder nervten sich über Leute, welche im Sektor standen. 

Das Estadio Heliodoro Rodriguez Lopez war ein sehr feines Stadion. Sehr steil und auf allen Plätzen eine sehr gute Sicht auf das Spielfeld. Der Gästesektor war im Oberrang ganz im Ecken bei der Gegentribüne. Auch die Stimmung war ganz gut. Feierten die Einheimischen doch vorallem den Barca Star Pedri , welcher von der Nachbarinsel Gran Canaria stammt. So forderten die Zuschauer beim ersten Elfmeter auch ihn als Schütze, für ihn dann zuviel Druck mit dem Resultat des verschossenen Strafstosses. In der zweiten Halbzeit war dann auch das Spiel unserer Nationalelf sehr ansprechend. Trotzdem reichte es leider nicht zu Punkten. 

Am Dienstag sollte es dann wieder nach Hause gehen. Da der erste Flug eine Stunde zu spät abhob, wurde es sehr knapp. Wir konnten in Madrid aus dem ersten Flieger spurten und am anderen Ende der Abflughalle gleich wieder einsteigen. In ein paar Stunden vom Kurzhosenwetter direkt zum Winterjackenwetter, welches dann am nächsten Morgen bei der Arbeit im Schnee endete. 

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