






Nach dem Weiterkommen in Polen stand die Reiseplanung nach Trabzon an. Für dieses Playoff Spiel zur UEFA Conference League 2024/25 ging es nun also nochmals nach Asien.
Drei Europacupgegner, davon nun bereits der Zweite, für den wir den Kontinent Europa verlassen mussten. Das Hinspiel in St.Gallen endete 0 zu 0. Die Türken waren sicherlich stärker einzustufen als die Vorgegner aus Kasachstan und Polen. Ein Weiterkommen wäre eine Sensation.
Wir beschlossen von Mittwoch bis Freitag nach Trabzon zu reisen mit einem Flug nach Istanbul und von dort weiter ans Schwarze Meer. Ein Defekt bei der internen Kommunikation liess uns in Istanbul lange auf den Abflug warten - was für eine langweilige Sache, einfach so im Flieger zu hocken und zu warten. Irgendwann sollte es losgehen. Beim Eindunkeln landeten wir in Trabzon. Im Hotel warteten bereits die Kollegen. Denn es war nicht ganz einfach in dieser Grossstadt ein Bier zu trinken. Über 800'000 Einwohner soll diese Stadt zählen, doch die Restaurants mit Alkoholausschank sollen sich an einer Hand abzählen lassen. Auch die schwüle Hitze machte uns bereits in den ersten Minuten zu schaffen. Doch dieses Restaurant, welches am Donnerstag dann auch den Treffpunkt für alle FCSG Fans darstellen sollte, hatte eine gute Klimaanlage und durch das Auskundschaften von Andi am Vortag waren wir dort schnell willkommen. Der Geschäftsführer vom Lokal sah eine Einnahmequelle durch uns und schickte anscheinend den einen oder anderen Stammgast aus dem Lokal, damit wir das ganze Lokal für uns hatten. Wie schon in Polen war es ziemlich einfach mit der Verständigung. Der Geschäftsführer sprach Deutsch, da er einige Jahre in Deutschland arbeitete. Alles was wir uns wünschten war irgendwie kein Problem, ausser vielleicht der Raki in kühl und Kleber anbringen im Restaurant. Die Runde wurde in diesem Lokal immer grösser. Das Bier im Vergleich zu Kasachstan und Polen nun nochmals einwenig teurer, doch wer interessierte dies schon. Wir durften in dieser fast alkoholfreien Stadt das dänische Tuborg geniessen, immer schön kühl.
Am nächsten Morgen wollten wir uns diese Stadt anschauen, doch die schwüle Temperatur machte uns bereits vor dem Mittag zu schaffen. So blieb es bei einem kurzen Rundgang. Ein einheimischer Kebabladen sollte dann zu Mittag aufgesucht werden. Kein Vergleich zum Kebab in der Schweiz. Einfach einige Stufen besser. Danach sollte es wieder zurückgehen zu diesem einen Restaurant. Es sollte am Nachmittag als Treffpunkt für die knapp 150 Fans aus der Ostschweiz herhalten. In diesen Tagen machte das Lokal einen Bierumsatz, welcher an normalen Tagen mit drei Monaten zu vergleichen ist. Die Stunden geniessen und danach ans Spiel fahren. Grosse Erwartungen an ein Weiterkommen hatten nur wenige.
Per Bus ging es danach zum Stadion. Die Eingangskontrollen dauerten eine Ewigkeiten. Alles wurde durchsucht und der Plastiksack bei den Leuten der Sicherheit füllte sich immer mehr. Bei mir wurde das Portemonnaie durchsucht. Die wenigen Schweizer Franken in Münzen landeten in diesem Plastiksack - Wurfgegenstände. Im Stadion gab es Wasser aus kleinen Plastikbehältern, welche wie ein Joghurtbecher mit einer Folie verschlossen war zum Abziehen, wohlgemerkt der Inhalt war bei einem Deziliter. Abfallproduktion würden wir dies in der Schweiz betiteln.
Das Spiel begann, die Sicherheitskräften hatten nicht sehr Freude an den Pyros und marschierten immer wieder mit ihren Schildern und Schlagstöcken in den Sektor um sich zu zeigen. Die Einschüchterung sollte aber nicht gelingen. Die Stimmung im Stadion war nicht höllenlaut, die Türken meinten ja auch vor dem Spiel, dass beide Lager gewinnen würden. Wir würden das Weiterkommen feiern und sie den Rauswurf ihres Trainers. Je länger das Spiel dauerte, desto schwieriger war dann das Hinschauen. Nach der Führung kam der Ausgleich viel zu früh. Trabzonspor war dem Sieg viel näher als wir. Im Sektor zitterten alle vor Nervosität. Einige gingen gefühlt alle fünf Minuten auf Toilette, andere drehten sich um und schauten lieber die Stadionmauer an. Ein Anderer biss sogar in den Stuhl. St.Gallen hat doch noch immer versagt bei den wichtigen Spielen, erst recht in knappen oder wann hat der FCSG mal ein Elfmeterschiessen gewonnen? Die Kräfte in dieser Hitze schwanden. Ich dachte, ich wäre ein Süchtiger, welcher seinen Stoff nicht mehr kriegte, zitterte am ganzen Körper. Doch es sollte alles gut kommen. Wir gewannen tatsächlich gegen dieses grosse Trabzonspor im Elfmeterschiessen dank einem "No-Look" Schuss von Ambrosius. Danach lagen wir uns nur noch in den Armen, alle total durchgeschwitzt. Das Stadion duften wir noch lange nicht verlassen. Danach im Bus dauerte es eine Ewigkeit bis dieser mal losfahren durften. Im Bus konnten wir uns einwenig erholen. In Schweiz soll es ja Leute gegeben haben, welche vor Freude irgendwo reinkickten und so einen Zehen brachen. In der Stadt blieben wir zusammen, da wir nicht wussten, was nun passieren sollte. In der Stadt war gefühlt jeder zweite mit dem Trikot von Trabzonspor unterwegs. Zu unserem Erstaunen versammelten sich im Zentrum einige Gegnerfans und klatschten einfach, als wir bei ihnen durchmarschierten. Was für eine Wertschätzung. Was für ein Abend. Dieser wird wohl für immer in unseren Köpfen bleiben. Wir stehen nach zwei Reisen nach Asien und diesem Skandalspiel in Breslau in der UEFA Conference League.
Am nächsten Tag schafften wir es rechtzeitig nach Zürich, als die Auslosung für die Ligaphase lief. Heidenheim wohl nicht gerade das gewünschte Los, da dort Tickets knapp werden, dafür das Hammerlos mit Larne FC. Auf direkten Weg ging es nach Bregenz. Freitagabend, Sonne, Bier und Austria Lustenau. Vor uns einige Vorarlberger, welche darüber diskutieren. "Hast du diesen "No-Look" Schuss von St.Gallen gesehen?" Als wir ihnen sagten, dass wir nun auf direkten Wege aus Trabzon nach Bregenz reisten, verstanden sie die Welt nicht mehr. "Und nun schaut ihr euch diesen Grottenkick zwischen Lustenau und dem Floridsdorfer AC an?"
Dieses Weiterkommen mit diesem geschichtsträchtigen Elfer sollte durch das Web huschen.. Geniessen wir diese Seite vom Fussball. Die andere Seite kommt schneller als man denkt.

29.08.2024
Trabzonspor A.S. – FC St.Gallen 1879 5:6 n.E. (0:1, 1:1)
Papara Park – 25'000 Zuschauer – SR Andris Treimanis/LET (VAR Kristaps Ratnieks/LET).
Tore: 31. Schmidt (Akolo) 0:1, 52. Destan (Barisic) 1:1.
Elfmeterschiessen: Denswil 2:1, Milosevic 2:2, Trézéguet 3:2, Vallci 3:3, Barisic 4:3, Cisse 4:4, Dragus 5:4, Toma 5:5, Savic schiesst an die Latte, Ambrosius 5:6.
Trabzon: Cakir; Tufan (46. Malheiro), Savic, Denswil, Barisic; Yokuslu (90.+1 Lundstram), Mendy; Visca (91. Yildrim), Bardhi (46. Canak), Orsic (75. Trézéguet); Destan (75. Dragus).
St.Gallen: Zigi; Schmidt (61. Faber), Ambrosius, Vallci, Okoroji (85. Yannick); Görtler (Cap.), Stevanovic, Witzig (61. Csoboth); Toma; Geubbels (72. Cisse), Akolo (46. Milosevic).
Verwarnungen: 65. Görtler (Foul), 83. Zigi (Zeitspiel), 89. Yannick (Foul), 109. Ambrosius (Foul).
Bemerkungen: St.Gallen mit Watkowiak, Dumrath, Stanic, Cisse, Yannick, Diaby, Mambimbi, Faber, Ruiz, Konietzke, Csoboth, Milosevic (Ersatzbank) und ohne Nuhu, Quintillà, Fazliji (alle verletzt) und Karlen (nicht im Aufgebot). – 110. Freistoss von Trézéguet ans Lattenkreuz.
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