




Nach der Pflichtaufgabe in Kasachstan stand also der nächste Gegner des FCSG fest. Die Reise sollte nach Polen gehen.
Nachdem ich im letzten November bereits in Warschau war, freute ich mich auf ein Wiedersehen in Polen. Bier- und Essenskultur ganz nach meinem Geschmack und durch das Ausscheiden des Vertreters aus Lettland kam ich auch in den Genuss eines neuen Stadions, in Lettland wäre dies nicht der Fall gewesen. Doch eigentlich wäre es arbeitstechnisch gar nicht erlaubt gewesen nach Polen zu reisen, da mein Stellvertreter in dieser Woche irgendwo durch die Welt reiste. Durch gute Organisation und gutes Zureden ging es diesmal erst am Mittwochabend los, so konnte ich am Mittwoch noch arbeiten und am Samstagmorgen wieder zurück bei der Arbeit sein. An dieser Stelle ein Dankeschön an meine Vorgesetzten bei der Arbeit.
Das Heimspiel gegen Slask Wroclaw gewann der FCSG mit 2 zu 0, sodass das Rückspiel in Wroclaw oder zu Deutsch Breslau eine nicht ganz unlösbare Aufgabe darstellen sollte. Doch zu diesem Spiel später mehr.
Im Vergleich zu der Reise nach Kasachstan führten diesmal etliche Wege nach Breslau. Der Direktflug mit der Swiss war sicherlich nicht die billigste Variante, doch in einem gewissen Alter steht der Aspekt der Einfachheit über dem der Kostenfrage. Am Mittwochabend sollte die Zeit reichen sich der polnischen Bierkultur zu widmen. Diese Kultur war dann auch ein klein wenig teurer als noch zwei Wochen vorher in Kasachstan, aber immer noch in einem sehr angenehmen Preisrahmen. Für einige, vor uns in Breslau eingetroffenen Personen, war der Umgang mit diesem Bier dann wohl doch zu stark. Oder kommt sonst jemand auf die Idee, dass man das nicht aufgegessene Mittagsessen mit ins Hotel nimmt und dort im Kühlschrank lagert? Wer will denn schon um Mitternacht im Hotelzimmer kalte Spareribs essen?
Das Fussballland Polen ist für Gästefans sicher nicht das einfachste Land. Im Internet sind diese 2 Meter Typen mit Glatzen und einem Nacken wie der Siegermuni auf der Schwägalp allgegenwertig. Solchen Heimfans wollten wir aus dem Wege gehen und so gingen wir nur in Kleingruppen die Stadt besichtigen und dies natürlich in neutraler Kleidung. Die Stadt sollte sehr schön sein. Breslau ist sicherlich ein Geheimtipp für eine Städtereise. Auch die Verständigung ist im Vergleich zu Kasachstan viel einfacher. Englisch oder sogar Deutsch war kein Problem. Lief man irgendwo durch die Stadt kamen immer wieder irgendwo bekannte Gesichter zum Vorschein. Die einen kamen per Direktflug, andere mit dem Charter, andere wiederum mit Flügen über Deutschland. Auch die Reise mit dem Auto oder Cars war sehr beliebt.
Trotz den schlimmen Bildern aus dem Internet mit den polnischen Fans waren wir in der Stadt sehr sicher unterwegs, keinerlei mulmigen Gefühle. Gegen Abend beschlossen wir mit dem Taxi zum Stadion zu fahren. In Polen sind personalisierte Tickets Standard. So kam jeder Fan im Gästeblock sein Ticket mit dem Namen aufgedruckt. Meine kleine Gruppe gönnte sich ein paar teurere Tickets mit Sitzplatz auf der Mittellinie und Gratisessen und Trinken im Inneren des Stadions.
Das Stadion war sehr eindrücklich mit einer sehr guten Akustik. Die Tarczynksi Arena war Austragungsstätte einiger Spiele der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Sehr schnell sah es in diesem Spiel sehr gut aus für den FCSG. Wir führten mit einer Länge Vorsprung, Slask brauchte nun vier Tore für ein Weiterkommen. Doch vor der Pause schoss Slask innert weniger Minuten drei Tore und es stand Unentschieden im Gesamten. Unsere Mannschaft machte nicht gerade den Anschein, dass es nach der Pause gut weitergeht. Immerhin hatten wir einen Kollegen aus Kroatien namens Duje Strukan, der mal den ersten Polen vom Felde verwies und so unserer Mannschaft ein wenig Luft verschaffte. Gleichzeitig kochte das Stadion. Zigi wurde rassistisch beleidigt. Auch wir auf der Haupttribüne wurden ziemlich klar aufgefordert die Schnauze zu halten. Nach langem Unterbruch sollte das Spiel weitergehen und mit ein bisschen Glück sollte dann der Herr aus Kroatien für uns einen Elfmeter pfeifen, welcher durch Witzig verschossen wurde. Doch der VAR sah, dass sich der Torhüter zu früh von der Linie löste und so durfte der Elfer wiederholt werden. Vor der Wiederholung aber nochmal einige Tumulte auf dem Feld, was weitere gelbe und rote Karten für Spieler auf dem Feld, sowie auf der Ersatzbank einbrachte. Die Wiederholung übernahm dann Geubbels, welcher traf und uns so die Türe die für letzte Quali Runde öffnete. Das Stadion kochte, die Heimfans und auch Spieler waren ausser sich. Ab diesem Moment an, hiess es für uns ruhig Blut bewahren und niemanden zu provozieren mit irgendwelchen Rufen oder Bewegungen. So kam es im Inneren des Stadions noch zu vielen Diskussionen mit polnischen Fans und fast Entschuldigungen mit dem Hinweis, dass wir den Schiedsrichter nicht ausgesucht hätten. Die Kollegen, welche mit Cars und Autos am Stadion waren, wurden nach der Blocksperre mit Polizeibegleitung bis an die Deutsche Grenze begleitet. Nach etlichen Biers im Stadion wollten wir dann auch in Richtung Stadt zurück. Erst im Hotel umziehen und dann einige Siegesbiere gönnen. In der Altstadt waren dann offensichtlich die Heimfans auf der Suche nach Gästefans. Durch die kleinen Gruppen und neutraler Kleidung aber ergebnislos.
Bereits vor diesem nervenaufreibenden Spiel war klar, dass wir in der nächsten Runde in die Türkei reisen dürften. Trabzonspor hat sein Europa League Qualispiel gegen Rapid Wien verloren und ist so in die Quali der Conference League runtergeflogen. Freuen wir uns doch auf eine Reise ans Schwarze Meer.
15.08.2024
Slask Wroclaw – FC St.Gallen 1879 3:2 (3:1)
Tarczynski Arena – 18'053 Zuschauer – SR Duje Strukan (KRO).
Tore: 21. Toma (Akolo) 0:1, 41. Schwarz (Zukowski) 1:1, 43. Samiec-Talar (Nahuel) 2:1, 45.+2 Petkov (Schwarz) 3:1, 90.+18 Geubbels (Pen.) 3:2.
Slask: Leszczynski; Zukowski, Petrov, Petkov, Matsenko (90.+19 Guercio); Cebula (81. Paluszek), Pokorny, Schwarz (90.+19 Ortiz); Samiec-Talar (67. Ince); Musiolik (90.+19 Jezierski), Nahuel.
St.Gallen: Zigi; Stanic (61. Schmidt), Diaby, Ambrosius, Okoroji; Görtler (Cap., 61. Stevanovic), Quintillà, Witzig (90.+24 Konietzke); Toma; Geubbels (90.+19 Milosevic), Akolo (90.+24 Cissé).
Verwarnungen: 2. Okoroji (Foul), 6. Zukowski (Foul), 31. Quintillà (Zeitspiel), 45.+1 Petkov, Matsenko, Görtler (alle Meckern), 54. Stanic (Foul), 77. Nahuel (Foul), 90.+12 Leszczynski (Meckern), 90.+22 Ortiz (Schwalbe).
Bemerkungen: St.Gallen mit Watkowiak, Dumrath, Cissé, Yannick, Vallci, Faber, Ruiz, Schmidt, Konietzke, Stevanovic, Csoboth, Milosevic (Ersatzbank) und ohne Nuhu, Karlen, Mambimbi, Fazliji (alle verletzt). – 12. Tor von Musiolok wird nach VAR-Intervention aberkannt. – 75. Elfmeter für Slask nach VAR-Entscheid zurückgenommen. – 76. Gelb-rote Karte gegen Petkov (Schwalbe). – 90.+11 Gelb-rote Karte gegen Nahuel (Meckern). – 90.+17 Elfmeter wird mach VAR-Entscheid wiederholt. – 90.+22 Gelbrote Karte gegen Ortiz (Meckern).
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