FCSG in Kasachstan

Veröffentlicht am 29. Dezember 2024 um 17:18

Bereits nach dem Hinspiel zwischen dem slowakischen und dem kasachischen Club konnte uns nur noch ein Fussballwunder davor bewahren, dass wir nicht nach Kasachstan reisen müssen oder dürfen. 

Immer mehr beschäftigte man sich überall mit dem fernen Kasachstan und der Stadt Kostanay. Der Club heisst FK Tobol und war vor genau einem Jahr der Quali Gegner des FC Basel. Für den FC Basel war der Gegner damals zu stark, das Gleiche sollte uns aber bestimmt nicht widerfahren. 
Als am 18. Juli dieses Spiel zwischen Tobol und Ruzomberok abgepfiffen wurde, hatten wir endgültig die Klarheit, dass wir weit fliegen werden. Wir sprachen von 1500 Franken, welche wir bezahlen durften, um zusammen mit der Mannschaft nach Kasachstan fliegen zu dürfen. Schlussendlich bekamen wir von diesem Geld sogar noch einen Anteil zurück. Wir flogen mit Panorama Airways von Zürich nach Kostanay, vorne im Flieger die Mannschaft, hinten die Fans. Da diese Fluggesellschaft aus Usbekistan stammte, durften wir über Russland fliegen, was uns einige Kilometer und Stunden im Flieger ersparten. Für mich war dieser Flug mit über fünf Stunden der längste Flug, welcher ich bis zu diesem Datum durchmachen durfte, zumal das Fliegen nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung darstellt, da es schlicht und einfach langweilig ist. So hatten ich und viele Andere genügend Zeit sich Gedanken zu machen, was uns wohl da in diesem Kasachstan erwarten würde. 
Nach der Landung an diesem kleinen Flughafen, die obligate Passkontrolle. Danach gings los mit einem alten Bus, in dem alles auf Deutsch beschriftet war und wohl nach etlichen Jahren in Deutschland nun in Kasachstan noch als betriebssicher gilt. Im Hotel wurde erstmals der Kühlschrank in der Lobby leergetrunken, bevor es uns in Richtung Einkaufszentrum verschlug, in dem wir weiter das billige kasachische Bier verköstigten. Die Verständigung konnte nur über unsere Handys erfolgen. Der Übersetzungsapp sei Dank. Schnell merkten wir aber, dass unsere Übersetzung von Deutsch in Kasachisch niemand verstand. Kasachisch spricht hier niemand, die Nähe zu Russland lässt nur Russisch zu. Auch fielen wir als Westeuropäer sofort auf. So waren die ersten Übersetzungen an uns vom Kellner: Seid ihr wegen dem Fussball da? Wollt ihr Frauen?

Gegen Mitternacht hiess es das Einkaufszentrum zu verlassen, schliesslich wollten die schliessen. Da fiel uns sofort auf, dass es überall so schwarze Käfer hatte - so genannte Kornkäfer. Dort wo Weizen angepflanzt wird, sind auch diese Käfer omnipräsent. Da in Kostanay gerade die Ernte stattfand, machen die Käfer sich auf den Weg und sind auch in der Stadt anzutreffen.  Diese Käfer sollten uns in der Dunkelheit auch am Spiel am Donnerstag dann ziemlich nerven. Dazu kam auch eine Mückenplage. Ein Überbleibsel von den Überschwemmungen, welche im Frühjahr nach starken Regenfällen und Dammbrüchen in Russland den Fluss Tobel über die Ufer haben treten lassen. Im Hotel angekommen, war auffällig, dass die Polizei immer noch davor stand. Diese sollte uns dann rund um die Uhr bis zu unserer Abreise bewachen. 

Am Spieltag ging es in einer kleinen Gruppe in die Stadt, viel zu besichtigen gab es jedoch nicht. So war der Treffpunkt der St.Gallen Fans am Nachmittag das nächste Ziel. Ein Pub fernab von der Heimat, welches mit sehr vielen bekannten Gesichter gefüllt war. Das Durchschnittsalter um einiges höher als an anderen SG-Spielen. Gegen Abend verstanden die Einheimischen die Welt nicht mehr. Die Polizei liess es zu, dass da Leute auf der Strasse liefen, welche als Fremd galten. Sollten wir Fremde doch tatsächlich wegen eines Fussballspiels soweit hergereist sein. So waren wir, etwas über 160 Personen, ein Foto oder Filmobjekt welches nun auf etlichen kasachischen Handys abgespeichert sein dürfte. Auffällig auch die grosse Polizeipräsenz in der Nähe vom Stadion und im Stadion. Während dem Spiel hatten wir etliche Polizisten um uns herum. Das Spiel war nicht wirklich aufregend. Tobol konnte nicht mehr, St.Gallen musste nach dem Polster vom Hinspiel nicht mehr machen, trotzdem reichte es zu einem 0:1 Auswärtssieg und so zogen wir in die dritte Qualirunde ein. 

Nach dem Spiel stand ein langer Fussmarsch bis zu unserem Hotel an. Links und rechts vom Trottoir jeweils eine Reihe Polizisten und wir in der Mitte. Beim Hotel angekommen, wurde die Polizeipräsenz verkleinert. Ein Lastwagen holte einen Grossteil der Polizisten ab, während wir uns wieder daran machten den Kühlschrank in der Hotellobby zu leeren. Zahlte uns doch die Mannschaft aus der Mannschaftskasse das eine oder andere Bier. Gleichzeitig lief das Rückspiel zwischen dem lettischen und polnischen Vertreter. Schnell war klar, dass wir in zwei Wochen nach Breslau reisen dürfen. Was doch einiges näher sein sollte als diese Reise nach Kasachstan.

Für mich war es das 37. Land, in welchem ich ein Fussballspiel sah. Den Bierpreis habe ich noch selten so niedrig erlebt. Neuland war auch eine handgeschriebene Boardingkarte für den Flug nach Genf. Die Boardingkarte war zwar mit Vilnius beschriftet. Da der Sprit aber anscheinend reichen sollte, gab es keinen Zwischenstopp in Litauen. Die usbekische Airline brachte uns wieder über Russland, diesmal sehr zentral über Moskau, sicher in die Schweiz. Eine Reise, welche eindrücklich war und einiges zu erzählen gab. Oder wo auf der Welt kann man mit Bierflaschen durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen, damit man nachher genügend Bier im Flieger hat?

01.08.2024

FK Tobol Kostanay – FC St.Gallen 1879 0:1 (0:0)

Zentral Stadion – 5842 Zuschauer – SR Joni Hyytia (FIN).

Tor: 73. Cisse (Stevanovic) 0:1.

Kostanay: Pokatilov; Gabaraev, Miladinovic, Ndiaye, Asrankulov (Cap.), Chesnokov (79. Galym); Ivanovic (58. Zuev), Essien, Mosiashvili (79. Tsonev); Costa (79. Zhumashev), El Messaoudi (70. Topalov).
St.Gallen: Zigi; Faber, Stanic, Ambrosius, Okoroji (74. Yannick); Görtler (Cap., 60. Schmidt), Quintillà (79. Konietzke), Ruiz (60. Witzig); Stevanovic; Geubbels (60. Cisse), Mambimbi.

Verwarnungen: 58. Essien (Foul), 81. Stanic (Foul), 90. Miladinovic (Reklamieren), 90. Yannick (Reklamieren).

Bemerkungen: St.Gallen mit Watkowiak, Witzig, Akolo, Cisse, Yannick, Diaby, Duus Möller, Vallci, Toma, Schmidt, Konietzke, Milosevic (Ersatzbank) und ohne Nuhu, Karlen, Fazliji (alle verletzt), Dumrath, Neziri (beide nicht im Aufgebot). – 52. Pokatilov lenkt Schuss von Stevanovic an die Latte. – 68. Gelb-rote Karte für Essien (Foul) – 90. Rote Karte für Galym (Foul).

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